Galaktische Miet-Helden

Marvel’s Guardians of the Galaxy Test: The Band is back together

Die Superhelden-Gruppe Guardians of the Galaxy.
Marvel’s Guardians of the Galaxy
Status: Veröffentlicht
Release: 26.10.2021

In unserem Marvel’s Guardians of the Galaxy-Test lest ihr, ob Star-Lord und seine Crew auch in Eidos‘ Action-Adventure ein starkes Team bilden.

Viele Comic-Reihen werden seit Jahrzehnten immer wieder neu interpretiert. Jeder Autor drückt den bekannten Figuren einer Serie seinen eigenen Stempel auf. Identitäten werden meist nicht grundlegend verändert, aber um interessante Elemente erweitert. So geschehen auch bei der filmischen Umsetzung der Guardians of the Galaxy durch Regisseur James Gunn.

Mittlerweile dürfte die Hollywood-Variante die bekannteste Interpretation der galaktischen Miethelden sein. Wer an die Guardians denkt, hat sofort die Gesichter des Schauspiel-Ensembles um Chris Pratt, Zoe Saldana und Dave Bautista im Kopf.

Eidos Montreal hat sich für die Videospieladaption ebenfalls für eine eigene Interpretation entschieden – sowohl visuell als auch auf der Handlungsebene. Wie das für die Gamer:innen unter den Marvel-Fans funktioniert, habe ich mir für diesen Test genauer angesehen.

Marvel’s Guardians of the Galaxy: Review in aller Kürze

Marvel’s Guardians of the Galaxy ist ein großartig inszeniertes Einzelspieler-Abenteuer mit klarem Fokus auf der Story. Den Entwicklern ist es mit einer guten Mischung aus Eigeninterpretation und vielen bekannten Elementen gelungen, den Geist der Guardians einzufangen. Auf spielerischer Seite gibt es aber nicht viel Neues. Das flotte Kampfsystem hat nach etwas Eingewöhnungszeit seine Stärken, gerät gegen Ende allerdings zunehmend aus dem Gleichgewicht.

Marvel’s Guardians of the Galaxy ist für euch geeignet, wenn ihr…

  • Fans der Guardians seid
  • klassische Action-Adventures ohne viel Schnörkel mögt
  • ihr Wert auf eine gut inszenierte Geschichte legt

Marvel’s Guardians of the Galaxy ist für nicht euch geeignet, wenn ihr…

  • forderndes Gameplay sucht
  • ihr von Superhelden-Gedöns die Nase voll habt
  • Handlung in Videospielen eher als störendes Beiwerk seht

Worum geht es in Marvel’s Guardians of the Galaxy?

Bei dem Versuch, ein Monster aus der Quarantäne-Zone zu fangen und es anschließend gewinnbringend zu verkaufen, entfesseln die Helden eine geheimnisvolle Macht. Gleichzeitig stoßen sie eine Welle von Ereignissen an, die schnell zu einer Gefahr für die gesamte Galaxie werden. Was sich hier nicht gerade wie ein innovatives Feuerwerk liest, bringt im Lauf des Spiels aber ein paar spannende Wendungen mit interessanten Charakteren und Schauplätzen hervor.

Peter "Star-Lord" Quill spielt vor dem Spiegel.
Als Peter „Star-Lord“ Quill übernehmt ihr die Führung der Wächter der Galaxis. © Eidos Montreal / S4G

Die Story wurde für das Spiel neu entworfen und um bekannte Elemente, Schurken und Nebencharaktere angereichert. Sie baut lose auf den Geschehnissen des Annihilation-Events auf und setzt auf das prominente Stammpersonal der Guardians um Star-Lord, Gamora, Drax, Groot und Rocket. Wer sich mit der Vorgeschichte befassen möchte, sollte sich die Marvel-Comics „Annihilation: Prologue“, die sechsteilige Mini-Reihe „Annihilation: Conquest“ aus 2006 sowie die 25 Ausgaben der Guardians of the Galaxy-Serie (2008 bis 2010) genauer anschauen.

Funktionierende Neuinterpretation für Film- und Comic-Fans

Fans der Comics dürfen sich auf zahlreiche Anspielungen, Gastauftritte, Zitate und Hintergrundgeschichten freuen. Zudem gibt es jede Menge schick designte Original-Kostüme aus vergangenen Guardians-Auftritten zu finden. Wer die Heldentruppe nur aus dem Kino kennt, wird aber ebenfalls seinen Spaß haben. Auch aus James Gunns Interpretation fließen einige bekannte Elemente ins Spiel ein, darunter Peters Vorliebe für Musik und ein entsprechend grandioser Soundtrack. Für das Spiel wurde eine Reihe bekannter Rock- und Pop-Oldies lizenziert und sogar ein völlig neues Album der fiktiven Band „Star-Lord“ aufgenommen.

Die Superhelden-Gruppe Guardians of the Galaxy.
Eidos lehnt sich beim Charakter-Design vor allem an die bekannten Vorbilder aus den Comics an. © Eidos Montreal / S4G

Die Erzählung beginnt mit frisch formierten Guardians, die noch weit weg von einem funktionierenden Team sind. Gamora steht als Tochter von Thanos und neuestes Mitglied der Truppe unter Drax‘ ständiger Beobachtung. Peter und Rocket sind sich nicht ganz einig, wem denn eigentlich die Milano gehört und Groot ist einfach Groot.

Die Entwickler:innen beweisen Gespür für die Charaktere. Sämtliche Guardians wuchsen mir während des Abenteuers genauso ans Herz wie zuvor in den Comics und Filmen. Auch Nebencharaktere und Antagonisten werden gut beleuchtet und sind nicht nur Statisten. Besonders die charmante Mantis, die nie so recht weiß, in welcher Realität sie sich gerade befindet, bringt immer wieder frischen Wind in das Geschehen.

Klassische Action-Adventure-Formel mit viel Story

Eidos setzt den Fokus ganz klar auf die Story. Entsprechend hochwertig ist die Videospieladaption inszeniert. Marvel’s Guardians of the Galaxy fühlt sich an wie ein knapp dreißigstündiger interaktiver Sci-Fi-Film, ähnlich wie Ratchet & Clank: Rift Apart (Test). Ich reise von einem knallbunten Planeten zum nächsten und kämpfe gegen skurrile Monster-Horden. Auf scheinbar verlassenen Weltraumstationen treffe ich auf einen geheimnisvollen Kult oder steuere die Milano im Kampf gegen Kopfgeldjäger durch ein Asteroiden-Feld.

Die Superhelden-Gruppe Guardians of the Galaxy wird vom Nova Corps gefangen genommen.
Die Wächter schlittern von einem Abenteuer ins nächste. © Eidos Montreal / S4G

An Abwechslung in Sachen Schauplätzen mangelt es dem Spiel nicht. Dafür gibt es im Kern nur eine Handvoll unterschiedliche Spiel-Elemente. Eidos geht streng nach Action-Adventure-Formel vor, greift auf bewährte Systeme zurück und lässt sich kaum auf Experimente ein. Beinahe jedes der 16 Kapitel besteht aus einem ähnlichen Rhythmus von Umgebungsrätseln, Arena-Kämpfen und Video-Sequenzen, die die Handlung vorantreiben.

Der Spielverlauf ist streng linear. Gelegentlich öffnet sich die Welt etwas und ich darf kleinere Gebiete abseits des Level-Schlauchs erkunden und Sammel-Krams finden. Andernorts rutsche ich Steilhänge hinunter oder übernehme kurz die Milano in einer Weltraumballerei.

Marvel’s Guardians of the Galaxy: Der Star ist das Team

Auch wenn das nicht sonderlich kreativ klingt, bleibt Guardians of the Galaxy durchgehend unterhaltsam. Die Entwickler:innen drücken jedem bekannten Gameplay-Element ihren eigenen kleinen Guardians-Stempel auf. Das funktioniert vor allem durch die Team-Dynamik der Helden. Ich steuere zwar nur Star-Lord, darf aber in vielen Spielsituationen die besonderen Fähigkeiten meiner Begleiter einsetzen.

Gamora hilft Star-Lord auf eine Plattform.
An manchen Passagen kommt ihr in Marvel’s Guardians of the Galaxy nur als Team weiter. © Eidos Montreal / S4G

Bei den Umgebungsrätseln etwa baut Groot Wurzelbrücken oder hebt Podeste an. Drax reißt Wände ein, Gamora hilft beim Klettern auf Anhöhen oder zerschnippelt Grünzeugs vor Durchgängen. Rocket ist der Tech-Spezialist und passt durch enge Lüftungsschächte. Ich muss nur die entsprechenden Orte und Objekte suchen und rausfinden, welcher Guardian gerade hilfreich ist.

Während der ruhigen Erkundungs- und Rätselphasen begleiten mich die amüsanten Dialoge zwischen den Wächtern. Dabei diskutiert die Truppe aktuelle Geschehnisse, nimmt einzelne Helden aufs Korn oder spricht im späteren Verlauf über die teils tragischen Biografien der Team-Mitglieder. Zwischen den Kapiteln geht es an Bord der Milano weiter.

Dort führe ich interessante oder witzige Einzelgespräche, begutachte neue Fundstücke, klicke mich durch den Soundtrack oder streite mich mit Rocket über die ständig offen stehende Kühlschranktür. Es gibt Dialoge, in denen sich Peter schnell entscheiden muss und somit die Geschichte beeinflusst. Liege ich bei der Wahl richtig, eilt beispielsweise ein geretteter Verbündeter später zu Hilfe oder es kommt zu einem zusätzlichen Kampf oder einer Videosequenz. Meine Einflussnahme hält sich allerdings in Grenzen und ist kein Faktor für das Vorankommen im Spiel.

Das Kampfsystem: Chaotische Effektshow mit Spaßfaktor

In den Arena-Kämpfen sind die Guardians quasi meine Skills. Im Lauf des Spiels schalte ich über Erfahrungspunkte je drei Fähigkeiten für jeden Wächter frei. Der jeweils Vierte ist an die Handlung gekoppelt und wird beim Erreichen bestimmter Story-Punkte verfügbar. Daraus ergeben sich in den Gefechten wilde Kombinationsmöglichkeiten. Sind mir meine Gegner zahlenmäßig überlegen, schicke ich Groot vor. Der hält gleich mehrere davon mit seinen mächtigen Wurzeln fest und ich kann mit Peters Laser-Pistolen darauf losfeuern. Währenddessen lasse ich Gamora mit ihrer Klinge durch ein paar entfernte Scharfschützen holzen und Rocket und Drax kümmern sich um den Hauptmann. Die Smart-Bomben des Nagers fahren das Energieschild des starken Kommandeurs herunter, wodurch Drax ihn mit seinen mächtigen Fäusten bearbeiten kann.

Kombinationen und variantenreiche Kills führen zu Schadensmultiplikatoren und werden mit mehr Erfahrungspunkten belohnt. Außerdem füllt sich das „Schwung“-Meter. Damit erscheint etwa die Möglichkeit für den „Huddle“. Auf Tasten-Druck unterbreche ich den Kampf und versammle die Wächter zu einer Ansprache. Finde ich die richtigen motivierenden Worte, erhalten alle einen zusätzlichen Buff. Danach geht es weiter im Gefecht.

Die Guardians of the Galaxy im Gespräch.
Aktiviert ihr den „Huddle“, pausiert das Kampf-Geschehen und ihr könnt die Guardians zusätzlich motivieren. © Eidos Montreal / S4G

Star-Lord selbst erhält ebenfalls nützliche Fähigkeiten. So kann Peter etwa seine Raketenstiefel für Doppelsprünge, Ausweichmanöver und Angriffe einsetzen. Dazu entwickeln sich seine Blaster im Spielverlauf weiter und ich kann Gegner in Brand setzen, sie einfrieren oder sie schocken.

Die Suche nach der richtigen Balance

Eidos setzt die Kämpfe zu Beginn überraschend dosiert ein und führt mich stufenweise an die Fähigkeiten heran. Erst im letzten Drittel zieht die Kampf-Dichte etwas an. Einarbeitung ist wichtig, weil die vor Effekten nur so strotzenden Gefechte ziemlich flott werden können. Damit ich Combos effizient einsetzen kann, muss ich bestens mit den verschiedenen Fähigkeiten vertraut sein und eine gute Übersicht entwickeln.

Star-Lord hilft Drax im Kampf wieder auf die Beine.
Gelegentlich müsst ihr einem eurer Begleiter auf die Beine helfen. Wirklich sterben können die Guardians aber nicht. © Eidos Montreal / S4G

Verliere ich während der Schlachten das Ziel aus den Augen oder bemerke eine Schwachstelle nicht, geben mir meine Begleiter Hinweise. Nutze ich ihre Fähigkeiten nicht ausreichend aus, beschweren sie sich lautstark. Hat man sich an den Rhythmus gewöhnt und die Fähigkeiten verinnerlicht, machen die wuchtigen Kampf-Orgien richtig Spaß. Sich den Weg aus einer Raumstation freizuballern, während Pat Benetars „Hit Me With Your Best Shot“ aus den Lautsprechern dröhnt, hat schon was.

Allerdings werden die Kämpfe auf dem empfohlenen Schwierigkeitsgrad schnell zu leicht. Erfahrene Spieler:innen sollten gleich zu Beginn auf schwer stellen. Doch auch hier fehlt es etwas an Balance. Wer die Augen nach Upgrade-Komponenten offen hält und in den Kämpfen ordentlich Erfahrungspunkte sammelt, hat sein Team schon im dritten Viertel des Spiels voll entwickelt. Auch die teils imposant inszenierten Boss-Kämpfe sind wenig herausfordernd. Hier ist es vor allem wichtig, die Guardians richtig einzusetzen.

Marvel’s Guardians of the Galaxy: Test-Fazit

Dem Entwickler-Team ist der Spagat zwischen den etablierten Comic- und Film-Adaptionen der Guardians gelungen. Sie fangen die Serien-typische Dynamik zwischen den Charakteren samt den vielen kleinen Frotzeleien und emotionalen Momenten sehr gut ein. Nach wenigen Stunden habe ich das Gefühl, die neuen Gesichter schon ewig zu kennen. Die Geschichte ist hervorragend inszeniert und bringt immer wieder große Kino-Momente hervor.

Auf Gameplay-Seite merkt man dem Spiel seinen Story-Fokus allerdings an. Sterben ist auch bei großen Gegnermassen schwierig und Respawn-Punkte sind großzügig gesetzt. Kämpfe können trotz ausführlichen Tutorials zwar schnell etwas chaotisch werden. Hat man sie aber erst mal verinnerlicht, gelingen wuchtige Attacken und herrliche Kombinationen.

Marvel’s Guardians of the Galaxy ist für alle Fans von Superhelden-Abenteuern und Story-lastigen Action-Adventures eine Empfehlung wert. Gerne mehr davon.

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Mit Monkey Island vorm AMIGA 500 aufgewachsen. Geheime Superkraft: Schafft es, sich in jedem Videospiel mindestens einmal zu verlaufen - auch in Pong.
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Status: Veröffentlicht
Release: 26.10.2021
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