Gray Zone Warfare im Test

Gray Zone Warfare: Der Tarkov-Konkurrent ist zu früh veröffentlicht worden

Kommentar
Zwei Spielercharaktere verstecken sich in einem Haus vor einem KI-Gegner in Gray Zone Warfare. Titelbild

Gestern wurde mit Gray Zone Warfare ein vielversprechender Extraction-Shooter im Early Access veröffentlicht. Mein Eindruck nach einigen Spielstunden ist durchwachsen.

Seit der Ankündigung von Gray Zone Warfare habe ich darauf gewartet, den Titel endlich anspielen zu dürfen. Als langjähriger Fan und Spieler von Escape from Tarkov sehne ich mich nach Abwechslung im Genre der Extraction-Shooter. Jetzt konnte ich mir endlich einen ersten Eindruck der Early Access-Version machen. Ob sich Gray Zone Warfare jetzt schon lohnt, verrate ich euch im folgenden Artikel.

Wie spielt sich Gray Zone Warfare?

Grundsätzlich hat man als Escape from Tarkov-Veteran einen sehr einfachen und angenehmen Einstieg in das Spiel. Aktuell gibt es noch keine Tutorials oder besondere Hilfen, lediglich einige kleine Pop-Ups helfen bei der Steuerung und den grundlegenden Dingen. Um mich mit dem Spiel vertraut zu machen, wähle ich zuerst einen PvE-Server und finde mich auch gleich in der Basis meiner Fraktion wieder. Bewaffnet mit der ersten recht soliden Ausrüstung geht es auf die Suche nach Händlern und NPCs. Da sie – zumindest aktuell – nur im HUD über das Händlermenü erreichbar sind, bleibt die Suche vergebens.

Etwas enttäuscht mache ich mich also daran, die Ausrüstung zu überprüfen und mich erst einmal für etwas weniger teure Dinge zu entscheiden. Also packe ich die M4 und verschiedene andere Dinge in das eigene Lager und bewaffne mich mit einer Glock. Bei den eben angesprochenen Händlern noch schnell alle Missionen annehmen und schon kann es losgehen – oder?

Das UI des Shooters Gray Zone Warfare.
So sieht euer UI in Gray Zone Warfare aus. Hier findet ihr eure Ausrüstung, euer Lager, Händler und die Map. © MADFINGER Games, a.s.

Auf ins Feindgebiet

Da Gray Zone Warfare grundsätzlich auf Markierungen für die Quests verzichtet, verschaffe ich mir vor dem Start meiner Reise noch einen Überblick über die Karte. Zusätzlich kann ich anhand der Koordinaten, die an jeder Aufgabe zu finden sind, schon einmal grob planen, welchen Weg ich einschlage. Jetzt geht es aber wirklich los.

Mit der Glock in der Hand mache ich mich durch dicht bewachsenes und schönes Terrain auf den Weg zum ersten Dorf. Aus Richtung des Dorfes höre ich immer wieder vereinzelt Schüsse. Da ich mich auf dem PvE-Server befinde, wird mir schnell klar, dass es sich hier um Kämpfe zwischen Teamkollegen und der KI-gesteuerten Fraktion handelt.

Ich kann mich also unbeirrt weiter auf den Weg zum ersten Ziel meiner Quests machen. Dort angekommen, muss ich mich zwei recht einfachen Gegnern stellen, die beinahe ohne Gegenwehr das Zeitliche segnen. Kurz darauf werde ich jedoch von einigen Salven aus einer M4 durchlöchert, die mir glücklicherweise keinen Schaden zufügen, da sie aus der Waffe eines Teamkameraden kommen. Nach kurzer Verwirrung ziehe ich also weiter, nur um direkt in ein paar neue KI-Gegner zu laufen, die durch das Feuer meines Kameraden angelockt wurden. Dieser Kampf geht allerdings nicht so gut aus, wie der Erste.

Solides Grundgerüst mit großem Potenzial

Ich habe noch einige weitere Stunden gespielt und die ersten Quests abgeschlossen, bevor ich mich dazu entschied, vorerst eine Pause einzulegen. Auch wenn mir Gray Zone Warfare insgesamt wirklich Spaß macht, gibt es noch viele Dinge, die dafür sorgen, dass es an Langzeitmotivation fehlt. Es lohnt sich beispielsweise kaum, sich die verschiedenen Gebäude genauer anzuschauen. Auch wenn alles schick aussieht, gibt es kaum brauchbare Gegenstände, die gefunden werden können.

Beim Aufbau des ersten Dorfes wiederholen sich auch recht schnell schon bekannte Häuser und Gebäude. So findet man auf dem Weg dorthin bereits einen kleinen Supermarkt, den es genau so auch in der Mitte des Dorfes gibt. Hier ist er allerdings eines der Ziele für eine der ersten Quests. Leider handelt es sich bei dieser lediglich um den Besuch von drei verschiedenen Orten. Die anderen beiden Aufgaben zum Start sind ebenfalls sehr einfach gehalten; für eine muss ich beispielsweise ein Paket zur Basis bringen, für die andere zwei Marker an zwei Punkten auf der Map anbringen. Insgesamt ist das also sehr rudimentär und durch die Angabe der Koordinaten auch leicht zu finden.

In Sachen Loot gibt es direkt das nächste Problem. Wer sich erhofft, interessante Gegenstände oder Waffen einzusammeln, wird schnell enttäuscht. Ich bin nirgendwo auf wirklich brauchbare Sachen gestoßen, außer in Erste-Hilfe-Kästen und hinter verschlossenen Türen. Dafür muss aber erst einmal der Schlüssel von einem der besiegten KI-Gegner gefunden werden. Da ich mir erhoffte, viele kleine Geheimnisse oder Orte erkunden zu können, war ich zwar etwas enttäuscht, aber hier gilt noch der Early Access-Bonus.

Das Gebäude, in dem ihr ein Paket für eine der ersten Quests in Gray Zone Warfare bergen müsst.
Das Gebäude, in dem ihr ein Paket für eine der ersten Quests in Gray Zone Warfare bergen müsst. © MADFINGER Games, a.s.

Performance ist der größte Gegner in Gray Zone Warfare

Abgesehen von der bisher beschriebenen Problematik, dass es nicht viel zu erkunden oder zu finden gibt, hat Gray Zone Warfare ein viel größeres Problem: die Performance. Hier benötigt das Spiel noch einige Verbesserungen, damit es sich wirklich angenehm spielen lässt. Mit meinem Setup (Ryzen 9 5950X, 3080Ti, 32 GB RAM und gute SSD) hatte ich auf niedrigsten Einstellungen und mit aktiviertem DLSS oft nicht mal 60 FPS. Zusätzlich sind die Frames oft noch unter 30 FPS eingebrochen. Das ist besonders im Kampf mit anderen Spielern, aber auch mit den KI-Gegnern ein echtes Problem.

Auch die Hitboxen der Gegner bereiten noch Probleme. Manchmal kann ich ein ganzes Magazin in einen Gegner versenken, ohne dass er zu Boden geht. Hat man dann auch noch Pech, dreht er sich einfach um und lässt einen schnell die Radieschen von unten betrachten. Insgesamt spielt sich Gray Zone Warfare also bisher nicht ganz so flüssig, wie es bei einem solchen Titel nötig wäre. Dazu fehlen noch einige Quality of Life Verbesserungen, damit sich längere Spielsessions lohnen.

Mein Fazit zu Gray Zone Warfare

Ich sehe in Gray Zone Warfare definitiv Extraction-Shooter mit Potenzial. Es wird aber noch einige Zeit vergehen müssen, bevor er sich so richtig lohnt. In Anbetracht der Tatsache, dass es sich um eine Early Access-Veröffentlichung handelt, bin ich guter Dinge. Mit etwas Zeit und Arbeit an der Performance und den noch geringen Inhalten könnte sich Gray Zone Warfare zu einem soliden Spiel entwickeln. Ich bin gespannt, ob die Entwickler auf das Feedback der Spieler hören und mit ihrer Hilfe von vornherein an der Verbesserung des Titels arbeiten.

Jetzt aber zur eigentlichen Frage: Ist Gray Zone Warfare zu früh in den Early Access gestartet?

Ein paar Monate Entwicklungszeit mehr hätten dem Spiel sicher noch gutgetan, bevor die breite Masse die Möglichkeit bekommt, selbst zu spielen. Das macht sich auch durch die Kritik auf Steam bemerkbar, die aktuell nur 62 Prozent positive Rezensionen aufweist. Dabei bemängeln die meisten Spieler:innen die schlechte Performance. Unter den positiven Rezensionen finden sich viele, die darauf hinweisen, dass es sich um einen Early Access handelt und es dafür doch recht gut ist.

Da es aber vor Kurzem erst einen Playtest mit großen Creator:innen des Extraction-Shooter-Genres gab, hätte man das Feedback aus diesem vielleicht erst einmal umsetzen sollen. Natürlich ist es relativ klar, warum Madfinger Games trotzdem eine sehr kurzfristige Veröffentlichung angestrebt hat. Durch die aktuelle Kritik an Escape from Tarkov aufgrund der Unheard-Edition erhofft man sich vermutlich, einige der unzufriedenen Spieler:innen für das eigene Spiel interessieren zu können. Vermutlich war das jedoch nicht die beste Entscheidung, auch wenn am ersten Tag schon mehr als 60.000 gleichzeitige Spieler:innen auf Steam aktiv waren.

Kevin Link

Kevin Link

Liebt Spiele die besonders fordernd sind. Von Souls-Likes über Rogue-Likes hin zu Hardcore Shootern gibt es kaum Spiele die schwer genug sind. Neben dem Zocken wird an Hardware geschraubt, PCs gebaut und gekocht.

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