Spielerrechte bleiben bei EA

EA erneuert FIFPRO-Vertrag und sichert sich zahlreiche Lizenzen

Der Fußballprofi Kylian Mbappe dribbelt im aktuellen Videospiel FIFA 22.

EA Sports sichert sich langfristig ein dickes Lizenz-Paket und somit die Rechte an tausenden Fußball-Profis, der Champions League und anderen großen Ligen.

FAKTEN

EA Sports, Publisher der FIFA-Reihe, meldet die Verlängerung eines großen Lizenz-Vertrags mit der FIFPRO. Die Organisation vertritt Profifußballer und deren Interessen weltweit. Über die genaue Laufzeit des Vertrags ist nichts bekannt. Laut EA wurde ein „langfristiges Engagement“ vereinbart.

FIFPRO: Tausende Lizenzen bleiben bei EA

Durch die Verlängerung des Vertrags sichert sich EA die Verwendung von Tausenden Spielernamen und -bildern, die durch die FIFPRO geschützt werden. Die Lizenz deckt auch verschiedene offizielle Ligen wie die UEFA Champions League, deren südamerikanisches Pendant CONMEBOL Libertadores und nationale Ligen wie die Bundesliga, Premier League oder LaLiga Santander ab.

Der Fußballprofi Trent Alexander-Arnold jubelt im aktuellen Videospiel FIFA 22.
Auch in EAs kommenden Fußballspielen werden wieder Original-Spieler jubeln – auch ohne FIFA-Lizenz.

Aktuell vertritt die „Féderation Internationale des Associations de Footballeurs Professionnels“ über 65.000 Profispieler. EAs FIFA-Marken-Chef David Jackson sieht in dem Deal eine bedeutende Investition in die Zukunft. Für FIFA-Spieler sei der authentische Einsatz der weltbesten Ligen, Teams und Talente einer der wichtigsten Aspekte des Spiel-Erlebnisses.

KONTEXT

EA stellt sich neu auf: Aus für die FIFA-Reihe?

Anfang Oktober wurde bekannt, dass EA den auslaufenden Lizenz-Vertrag mit FIFA wohl nicht mehr verlängern will. Der Weltfußballverband ist seit 1993 Partner des Publishers und Namensgeber der beliebten Fußball-Reihe. EA gab in einer Pressemitteilung bekannt, dass die Kooperation noch bis Ende 2022 andauere und man sich bereits Gedanken über eine Namensänderung des Fußball-Spiels machen würde.

Abseits der FIFA hält EA Lizenz-Verträge mit über 300 weiteren Partnern. Dadurch sicherte sich der Publisher Rechte an über 17.000 Spielern aus mehr als 700 Teams, 100 Stadien und über 30 Ligen weltweit. Mit der Erneuerung der FIFPRO-Lizenz dürften Befürchtungen der FIFA-Spieler, im nächsten Teil der Reihe auf ihre Lieblingsprofis verzichten zu müssen, aus dem Weg geräumt sein.

Ein neuer Name für die FIFA-Reihe könnte ebenfalls schon gefunden sein. In England und der EU sicherte sich EA die Markenbezeichnung „EA Sports FC“ .

MEINUNG

FIFPRO-Deal als Ass im Vertragspoker zwischen EA und FIFA

Berichten zufolge überweist EA jährlich 86 Millionen Euro an die FIFA, um deren Namen im Spieletitel nutzen zu dürfen. Gleichzeitig sinkt das Image des Weltfußballverbands in den letzten Jahren gewaltig. Verschiedene Korruptionsskandale, Vertuschungsversuche und mangelhafte Aufklärungsarbeit lassen die FIFA schon lange nicht mehr gut dastehen.

Dazu kommt eine Fußball-Weltmeisterschaft in Katar, die zu Recht seit Jahren von allen Seiten kritisiert wird. Der Fußballverband ist für viele Betrachter – mich eingeschlossen – schon lange zur moralbefreiten Gelddruckmaschine für Funktionäre geworden. Der Name FIFA ist nichts mehr, mit dem man sich brüsten könnte. Vor allem nicht, wenn man wie EA selbst nicht unbedingt das beste Image hat.

Ein Namenswechsel der FIFA-Reihe könnte sich für den Publisher also sowohl finanziell als auch in der öffentlichen Wahrnehmung rentieren. Spätestens seit dem FIFPRO-Deal ist EA jedenfalls für eine Zukunft ohne die FIFA gewappnet. Ich vermute hinter der medienwirksamen Inszenierung seitens EA aber eher eine Ansage an die FIFA: Das Spiel ist längst größer als sein Name und wird sich auch ohne den Weltfußballverband als Partner verkaufen. Für die Community sind lizenzierte Spieler und Vereine das wichtigste. Eine bessere Verhandlungsposition für die anstehenden Vertragsgespräche mit der FIFA könnte EA kaum haben.

Josef Erl

Josef Erl

Mit Monkey Island vorm AMIGA 500 aufgewachsen. Geheime Superkraft: Schafft es, sich in jedem Videospiel mindestens einmal zu verlaufen - auch in Pong.
Nach oben