Ihr sucht das nächste VR-Spiel, in dem ihr stundenlang versinken könnt? In Hitman: World of Assassination zeigt Agent 47, dass er auch 2026 noch ein audiovisueller Hochgenuss auf der PSVR 2 ist.
Ende Mai veröffentlicht IO Interactive mit 007 First Light eine Neuinterpretation des weltberühmten Agenten James Bond. Eine naheliegende Wahl, denn mit Agenten hat IOI mehr als genug Erfahrung. Insgesamt acht Teile umfasst die Hitman-Reihe um Agent 47 bereits. Der glatzköpfige Mann mit dem Strichcode auf dem Hinterkopf ist längst zu einer Ikone der Videospielgeschichte geworden. Sein erster Streich, Hitman: Codename 47, hat bereits 26 Jahre auf dem Buckel, und ich erinnere mich immer noch gut an meine ersten Missionen mit „Testperson 47“ in Hongkong, Kolumbien und Budapest.
Jetzt, ein Vierteljahrhundert später, jage ich wieder um die halbe Welt. Dieses Mal aus der Ego-Perspektive und auf der Playstation VR 2 statt auf einem schlecht aufgelösten Flachbildschirm in meinem Kinderzimmer.
- In unserer Artikelreihe „Die besten VR-Spiele aller Zeiten“ stellen wir euch regelmäßig Klassiker, Geheimtipps und Evergreens vor, die ihr auf keinen Fall verpassen solltet.
Hitman VR, die Dritte
Hitman: World of Assassination ist längst kein neues Spiel mehr, sondern umfasst die Teile der Reboot-Trilogie, die zwischen 2016 und 2021 erschienen sind. Auch die VR-Umsetzung der Serie gibt es bereits seit Jahren – zunächst für die erste PSVR, ein Jahr später folgte eine nicht ganz geglückte PC-VR-Version. Schon damals überzeugte Hitman 3 in VR zwar mit einer großartigen Kulisse, verschenkte aber durch die hakelige Gamepad-Steuerung enorm viel Potenzial.
Mit der PC-VR-Version folgte zwar die Bewegungssteuerung mit VR-Controllern, diese wurde jedoch nicht konsequent umgesetzt und einige Bugs und Glitches störten das Gesamtbild. Bestimmte Triggerpunkte mussten immer noch per Knopfdruck ausgelöst werden – ein Kompromiss, den die Entwickler damals eingehen mussten und der in der neuen PSVR-2-Version weiter aufgebrochen wurde.
„Es gab einige Performance-Probleme und Konsolenbeschränkungen, die wir damals nicht umgehen konnten“, erzählte mir Senior Game Designer Eskil Møhl während eines Besuchs bei IO Interactive in Barcelona. Aus den ersten beiden VR-Ports habe das Team einiges gelernt, aber es seien auch einige Wünsche entstanden, die man unbedingt noch umsetzen wollte. „Wir wollten mehr Touch-Interaktionen, um die Spieler tiefer in das Spiel eintauchen zu lassen.“
Mehr Bewegungsfreiheit
Was sich im Vergleich zu gängigen VR-Spielen wie Kleinigkeiten anhört – manuelles Nachladen, Türen aufschließen, Hebel betätigen – wertet Hitman in VR enorm auf und macht den PSVR-2-Ableger zur interaktivsten VR-Version der Serie. „Wir wollten beispielsweise unbedingt manuelles Nachladen im Spiel haben und sind sehr zufrieden damit. Es fühlt sich cool an und es macht Spaß, herauszufinden, wie man die Magazine in den verschiedenen Waffen wechselt, denn die Waffenmodelle sind schon im Grundspiel sehr gut gemacht“, sagt Møhl – und das kann ich bestätigen.

Die Waffen und Gegenstände, die ich bisher gesehen habe, waren sehr detailliert. Das geht so weit, dass man einen glänzenden Schlüssel im richtigen Winkel als Spiegel verwenden kann, um damit um die Ecke zu schauen. Das Inventar wird nun über ein unscheinbares, aber praktisches Ringmenü über der Hand aufgerufen. Mit dem Joystick rotiert ihr durch die verfügbaren Gegenstände und mit der freien Hand nehmt ihr das ausgewählte Objekt auf.
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Die Spielwelt von Hitman ist unglaublich detailreich. Wer allerdings erwartet, wie in Half-Life: Alyx jedes Steinchen umdrehen zu können, wird enttäuscht. Alle Objekte interaktiv zu machen, ist in einem Port dieser Größe schlicht unmöglich. Der Aufwand wäre enorm. Deshalb hat sich das Entwicklerteam auf die wichtigsten Objekte konzentriert und diese mit einem dezenten hellen Rand oder kleinen weißen Aktionspunkten markiert. Auf Knopfdruck lassen sich zudem alle wichtigen Punkte und Personen in der Umgebung hervorheben – ein gutes und wichtiges Feature, denn sonst wäre es schwer, den Überblick zu behalten.
Deutlich immersiver, aber noch nicht ganz rund
Was die Steuerung insgesamt angeht, bin ich zwiegespalten. Ja, die neue Freiheit der Bewegungssteuerung tut Hitman definitiv gut. Vor allem das Dual Wielding, also das gleichzeitige Benutzen von zwei verschiedenen Gegenständen oder Waffen in beiden Händen, wertet das Spielerlebnis auf. So könnt ihr etwa mehrere Gegner gleichzeitig ausschalten, indem ihr den ersten per Hieb mit dem Feuerlöscher schlafenlegt und dem nächsten eine volle Cola-Dose gegen den Schädel pfeffert – alles, was sich halten lässt, könnt ihr auch werfen oder zum Zuschlagen nutzen.

Diese neuen Freiheiten machen die Sandbox-Welt von Hitman mit ihren unzähligen Lösungsmöglichkeiten deutlich glaubwürdiger. Allerdings fühlt sich die Steuerung nicht immer so präzise an, wie ich es mir gewünscht hätte. So habe ich beispielsweise immer noch Schwierigkeiten, ein Brecheisen an der gewünschten Stelle zu platzieren oder in einer hektischen Situation beim Nachladen der Waffe den Schlitten richtig zu greifen.
Die Ego-Perspektive könnt ihr übrigens auch mal verlassen. Zum Beispiel, wenn ihr Agent 47 an eine Bar lehnt oder auf einer Parkbank Zeitung lesen lasst, um unbemerkt ein Gespräch zu belauschen. Auch beim Klettern wechselt ihr in die Third-Person-Perspektive mit beweglicher Kamera. „Das war eine bewusste Entscheidung“, sagt Møhl. „Hitman ist ein sehr forderndes Spiel, und so können die Spieler zwischendurch verschnaufen und einfach mal den Blick schweifen lassen, ohne selbst körperlich aktiv werden zu müssen – und seien wir ehrlich, in VR macht es einfach keinen Spaß, beim Klettern ständig auf eine Leiter zu starren.“
Der Star ist die Spielwelt
Mit der verbesserten Steuerung und den neuen Interaktionsmöglichkeiten macht Hitman auf der PSVR 2 also einen großen Sprung nach vorn. Der heimliche Star ist aber die Umgebung. Selten habe ich mich in einer Spielwelt so verloren wie im italienischen Sapienza. Das beschauliche Küstenstädtchen ist eine Augenweide.

Ich schlendere am Strand entlang, durch enge Gassen, betrete kleine Läden oder sitze einfach auf einer Parkbank und lausche dem Treiben auf dem Marktplatz, dem Rauschen des Meeres und dem Gesang der Möwen. Auch die Beleuchtung ist ein echter Blickfang. Wenn ich zum Beispiel die Stufen eines alten Kirchturms hinaufsteige und das gelegentlich einfallende Sonnenlicht mich kurz blendet, spüre ich fast die Wärme auf meiner Haut.
Egal, welches Level ich betrete, im ersten Moment vergesse ich völlig, dass ich eigentlich eine Mission zu erfüllen habe, und werde zum alles aufsaugenden Touristen in den lebendig wirkenden Arealen. Und Hitman bietet einige dieser abwechslungsreichen Schauplätze: eine Rennstrecke in Miami mit Festivalcharakter, eine zum düsteren Techno-Bunker umfunktionierte Industriehalle im nächtlichen Berlin oder ein prunkvolles Bankgebäude in New York City samt Tiefgarage und gigantischem Safe. Ich wünschte, es gäbe einen Spaziergangs-Modus für Hitman, in dem ich einfach nur die Architektur bestaunen darf.
Der VR-Modus von Hitman: World of Assassination liefert auch 2026 noch ab
Hitman ist auf der PSVR 2 eines der schönsten VR-Spiele überhaupt und ist in seinem Detailreichtum nahezu unerreicht. Eine so reichhaltige und lebendig wirkende Spielwelt ist in VR äußerst selten und allein schon deshalb einen Besuch wert. Wer einmal einen VR-Fuß in Sapienza oder Miami gesetzt hat, wird sich schwer tun, aus dem Staunen wieder herauszukommen.
Auch in der mittlerweile dritten Version merkt man dem Spiel jedoch an, dass es ein VR-Port ist und als solcher mit Kompromissen zu kämpfen hat. Die Steuerung ist zwar deutlich freier und immersiver, kämpft aber immer noch mit gelegentlichen Präzisionsproblemen und kleinen Einschränkungen. Außerdem sind mir immer wieder Leistungseinbrüche und kleine Ruckler aufgefallen.
Insgesamt ist der 2025er VR-Modus von Hitman: World of Assassination für PSVR 2 aber der mit Abstand beste Abstecher von Agent 47 in die Virtual Reality und noch immer ein audiovisueller Hochgenuss. VR-Enthusiasten, die sich nach Metas Ende in der VR-Spieleentwicklung nach AAA-Futter für ihre VR-Brille sehnen, sollten sich einen Ausflug in diese gigantische Sandbox gönnen.
Aktuell kostet die VR Edition von Hitman World of Assassination knapp 40 Euro für die PSVR2 – aber der nächste Sale kommt bestimmt.
Artikel-Update -Log
- 15.05.2026: Einleitung und Bilder angepasst








