Die ersten ausführlichen Tests zu Valves neuer VR-Brille Steam Frame sind online und zeichnen ein gemischtes Bild zwischen Begeisterung und Kritik.
Valve hat mit der Steam Frame sein erstes VR-Headset seit der Index veröffentlicht und die Fachpresse hatte rund zwei Wochen Zeit, das Gerät ausgiebig zu testen. Die 256-GB-Variante kostet 1.049 Euro, das 1-TB-Modell schlägt mit 1.279 Euro zu Buche. Damit hat Valve sein eigenes Versprechen gebrochen, unter dem damaligen Index-Preis zu bleiben. Die gestiegenen Speicher- und RAM-Kosten gelten als Hauptgrund. Was die ersten ausführlichen Reviews sagen, habe ich euch hier kurz zusammengefasst.
CNET: Spannende Idee, aber noch sehr experimentell
CNET-Redakteur Scott Stein lobt das geringe Gewicht und die gute Gewichtsverteilung, kritisiert aber den engen Sitz für Brillenträger. Half-Life: Alyx laufe standalone zwar mit reduzierten Grafik-Details, sei aber dennoch faszinierend. Viele Titel liefen aktuell nur mit 72 Hz, und nicht optimierte Spiele hätten bei ihm Übelkeit ausgelöst. Die Schwarz-Weiß-Kameras für den Passthrough-Modus seien enttäuschend, die optionale Farb-Kamera von Arcturus für 150 Dollar ein deutlicher Fortschritt. Sein Fazit: Für über 1.000 Dollar sei das Gerät noch sehr experimentell, die Akkulaufzeit mit maximal zwei Stunden problematisch.
IGN: Bestes PC-VR-Streaming-Headset 2026
Für die IGN-Tester ist Steam Frame eines der komfortabelsten Headsets überhaupt. Beim kabellosen Streaming vom PC glänze das Gerät dank des mitgelieferten 6-GHz-Dongles – der Unterschied zum lokalen Spielen sei bei der Eingabeverzögerung kaum spürbar. Lokal laufende Titel wie Beat Saber funktionierten tadellos, Half-Life: Alyx zeige jedoch schwankende Bildraten zwischen 40 und 90 FPS. Die Akkulaufzeit betrage beim lokalen Spielen nur rund eine Stunde, beim Streaming halte das Gerät deutlich länger durch.
PC Games Hardware: Komfort top, Kompatibilität Glückssache
PCGH beschreibt den Tragekomfort als eine der größten Stärken. Das Gewicht von rund 440 Gramm verteile sich clever zwischen Front und Rückseite. Von 30 getesteten Spielen seien zehn offiziell verifiziert und liefen einwandfrei. Anspruchsvollere Titel wie Skyrim VR erreichten jedoch nur 34 FPS, Hellblade VR gerade einmal 24 FPS bei reduzierter Auflösung. Beim PC-Streaming funktionierten 13 von 18 getesteten Spielen, wobei ausgerechnet VR-Titel wegen fehlender Eingabeerkennung Probleme machten. Das Fazit: Die gesamte Steam-Bibliothek sei eine mögliche Quelle, aber keine Kompatibilitätsgarantie.
Gamers Nexus: Hervorragende Latenz, schwache Akkulaufzeit – und ein Datenschutz-Vergleich
Gamers Nexus liefert den technisch tiefsten Test und misst die Latenz per eigenem LDAT-Setup. Bei 120 Hz über den Wireless-Adapter erreiche die Steam Frame 46,1 Millisekunden – die Quest 3 benötige mit 72,5 ms ganze 57 Prozent mehr Zeit. Thermisch bleibe die Steam Frame kühler am Gesicht: An der Stirnlinie messen sie 33 Grad gegenüber 35 Grad bei der Quest 3. Bei der Akkulaufzeit schneide die Quest 3 jedoch rund 40 Prozent besser ab.
Beim Laden gebe es möglicherweise einen Software-Bug: Statt der von Valve versprochenen zwei Stunden habe ihr Testgerät über dreieinhalb Stunden benötigt. Valve habe eingeräumt, die Ergebnisse seien valide, sehe intern aber andere Werte. Besonders ausführlich widmet sich Gamers Nexus dem Datenschutz: Valve benötige zwei Nutzervereinbarungen mit rund 12.600 Wörtern und verarbeite Kamera- sowie Eye-Tracking-Daten ausschließlich lokal auf dem Gerät. Meta verlange dagegen fast 83.000 Wörter an Vereinbarungen und sammle unter anderem Sprachaufnahmen, Gesichtsausdrücke, Raumdimensionen und bei Kindern sogar Audioaufnahmen der Stimme.
Linus Tech Tips: Kabelloses Streaming ist „magisch“, aber der Preis schmerzt
Linus Sebastian zeigt sich vom Foveated Streaming begeistert. Es sei eine der „magischsten“ Technik-Erfahrungen seiner Karriere. Egal, wie schnell er seinen Blick bewegt habe, sei ihm der Qualitätswechsel kein einziges Mal aufgefallen. Die Standalone-Funktionalität habe seine Skepsis gegenüber Standalone-VR widerlegt. Kritik übt er an den LC-Displays, die sich „deutlich nach letzter Generation“ anfühlten, an der Akkulaufzeit von rund anderthalb Stunden beim Streaming und an den Controllern, deren Tastenlayout für kleine Hände unbequem sei. Das Ergonomie-Kit für 60 Dollar sei quasi Pflicht, hätte aber im Lieferumfang enthalten sein sollen.
Tested: Komfortabelste Standalone-Brille, aber LCD-Panels als Schwachpunkt
Norm Chan von Tested bezeichnet die Steam Frame als das komfortabelste Standalone-Headset, das er je getragen habe. Das Sichtfeld von 118 Grad horizontal und 110 Grad vertikal sei deutlich weiter als bei der Konkurrenz. Beim Streaming vom PC erreiche er mit dem Wi-Fi-Stick bei 200 Mbit/s eine Latenz von nur fünf Millisekunden. Allerdings sei die Auflösung der LCD-Panels mit 2.160 mal 2.160 Pixeln pro Auge sein größter Kritikpunkt – für 2D-Spiele auf einem riesigen virtuellen Bildschirm reiche die Schärfe nicht an einen OLED-Monitor heran. Die Akkulaufzeit betrage bei voller Last nur 52 bis 55 Minuten, beim Streaming rund zwei Stunden.








