PC-Spiele wie Hogwarts Legacy mit räumlicher Tiefe auf der Meta Quest spielen, ohne dass sie eine native VR-Version benötigen: Genau das verspricht Cybionyx InMotion. Die App erzeugt aus normalen 2D-Inhalten in Echtzeit eine dreidimensionale Darstellung. Im Praxistest zeigt sich allerdings auch, wo die Technik noch an ihre Grenzen stößt.
Ein Gastartikel von Stefan Berger
Der ein oder andere Leser wird sich sicher noch an die mittlerweile aus der Mode gekommenen 3D-Fernseher erinnern, die mithilfe spezieller Brillen ein Mittendrin-Gefühl versprochen haben. Stereoskopisch produzierte Filme liefen plötzlich auf dem Heimfernseher und zweidimensional aufgenommene Inhalte wurden aufwendig ins Dreidimensionale übersetzt. Auch für PC-Gaming gab es mit Nvidias 3D-Vision erste Gehversuche auf diesem Gebiet. Überzeugen konnte die Technik damals jedoch nicht und sie geriet zunehmend in Vergessenheit.
Das Versprechen von Cybionyx InMotion
Immer leistungsfähigere Heim-PCs sowie Fortschritte in der Virtual Reality und KI-Entwicklung eröffnen mittlerweile neue Möglichkeiten für dreidimensionale Darstellungen. Genau hier setzt Cybionyx mit seiner App InMotion an. Ganz ohne Hilfsmittel geht es zwar leider immer noch nicht, aber wer zum Beispiel über eine Meta Quest 3 oder 3S und einen normalen PC (Windows 10 oder 11) oder Mac (mindestens macOS 12.3) verfügt, kann dem immersiven Erlebnis mit der entsprechenden App ein ganzes Stück näherkommen.

Den InMotion Client gibt es aktuell nur im Meta Horizon Store. Die entsprechende Desktop-App ist kostenlos auf der Herstellerseite von Cybionyx erhältlich. Habt ihr beides heruntergeladen, verbindet Rechner und VR-Brille per WLAN oder USB-C. Die Bildübertragung findet lokal zwischen den Geräten statt. InMotion bringt in der VR-Brille eine erstaunliche räumliche Tiefe in viele Inhalte, die auf dem Heimcomputer eigentlich flach auf dem Bildschirm dargestellt werden. Nicht nur Spiele werden räumlich, sondern schlicht alles, was der PC darstellen kann – also auch Filme und sogar das Abbild des eigenen Desktops samt darauf laufenden Anwendungen.
So bringt InMotion PC-Spiele in die dritte Dimension
Das Konzept von InMotion funktioniert folgendermaßen: Eine lokal auf eurem PC laufende KI analysiert das zweidimensionale Bild und errechnet daraus in Echtzeit eine Tiefenkarte. Daraus entsteht ein sogenanntes 3D Depth Mesh, aus dem wiederum die räumliche Darstellung für die VR-Brille berechnet wird. Wie überzeugend das wirkt, hängt vom Content ab.
Die Darstellung erfolgt entweder im Passthrough-Modus der Meta Quest oder in einer Art virtueller Umgebung. Hogwarts Legacy, das von Haus aus viele Gebäude, verwinkelte Gänge und eine Landschaft mit unterschiedlichen Ebenen bietet, hat mich dabei besonders überzeugt. Aus den visuellen Anhaltspunkten kann die KI eine überzeugende Tiefenkarte erstellen, anhand derer das stereoskopische Bild berechnet wird. Auch entsprechend dargestellte Filme erhalten eine erstaunlich gute Tiefenwirkung.
Nicht jedes Spiel profitiert gleichermaßen
Schwer hat es InMotion, wenn Spiele, Filme oder Anwendungen wenige visuelle Anhaltspunkte liefern, aus denen die KI räumliche Informationen interpretieren kann. Das rundenbasierte Strategiespiel Mechabellum blieb in meinem Test relativ flach. Mit der Geschwindigkeit von Rocket League schien die App anfangs etwas überfordert zu sein und es bildeten sich vermehrt Artefakte um Objekte. Ein späteres Update konnte die Performance in diesem Spiel aber deutlich verbessern. Die Entwickler versprechen weiterhin fortlaufende Verbesserungen ihrer App.

Mehr Immersion, aber kein echtes VR
Ich war überrascht, wie viel Spaß mir speziell das Anschauen von Filmen in meiner Meta Quest 3 mit Cybionyx‘ InMotion machte. Ich empfehle dennoch, mit einer vorsichtigen Erwartungshaltung an die App heranzugehen. Die Software hat klar ihre Grenzen und kann nicht in allen Szenarien überzeugen. Und vor allem kann sie eins nicht: ein zweidimensionales Spiel in ein vollwertiges VR-Game verwandeln. Aber einen kleinen Immersionsschub liefert InMotion auf jeden Fall. Die Entwickler haben im Übrigen angekündigt, die App zukünftig auch für PCVR verfügbar machen zu wollen.
Weitere Praxiseindrücke und Beispiele findet ihr in meinem Video und auf meiner Website:









