Rund eine Stunde habe ich Tides of Annihilation auf der Gamescom gespielt, zwei Bosskämpfe inklusive. Das Action-Adventure um Gwendolyn und die Ritter der Tafelrunde war mein Highlight der Messe. Hier lest ihr, wie sich der Kampf mit vier Rittern spielt, was die Bosse Mordred und Geraint ausmacht und was bisher über das Spiel bekannt ist.
Vor der Gamescom hatte ich Tides of Annihilation nicht auf dem Schirm. Den Trailer zur Opening Night Live hatte ich kurz gesehen, mehr nicht. Nach meiner Session am Stand sah das anders aus: Ich hätte noch eine Runde gespielt, und danach noch eine, und noch eine.
Tides of Annihilation ist ein Fantasy-Action-Adventure von Eclipse Glow Games aus dem chinesischen Chengdu. Es verlegt die Artussage in ein verdrehtes, modernes London. Ihr spielt Gwendolyn, die einzige menschliche Überlebende, auf der Suche nach ihrer verschwundenen Schwester. Gegen sie stehen Halbgötter aus Avalon und andere Gottheiten, an ihrer Seite kämpfen die Ritter der Tafelrunde.
Gespielt habe ich mit dem Xbox-Controller. Nach einem kurzen Tutorial ging es durch einen Story-Abschnitt im Great Russell Museum bis zum Bosskampf gegen Mordred, danach habe ich mich an Geraint versucht, dem schwersten Kampf meiner Session. Spielbar war Tides of Annihilation auf der Gamescom 2026 zum ersten Mal überhaupt.
Das Kampfsystem: Vier Ritter kämpfen mit
Das Herzstück von Tides of Annihilation sind die Ritter. Gwendolyn kämpft nicht allein, sie hat vier Ritter dabei, aufgeteilt in zwei Sets zu je zwei. Ein Set kämpft aktiv an ihrer Seite, per Knopfdruck wechselt ihr auf das andere Paar. In meiner Demo waren das Bedivere und Gawain im ersten Set, Palamedes und Kay im zweiten.

Die Fähigkeiten der Ritter setzt ihr im laufenden Kampf ein, während ihr mit Gwendolyn selbst lauft, blockt, springt, ausweicht und angreift. Das Studio nennt dieses Zusammenspiel „Dual-Force-Combos“. Genau darin liegt für mich der Reiz: Die Synergien zwischen Gwendolyn und ihren Rittern fand ich richtig stark. Der Kampf wird dadurch sehr schnell, fordernd und macht enorm viel Spaß.
Souls-like ist das nicht, klassisches Draufhauen mit immer derselben Kombo aber auch nicht. Ihr habt viele Optionen, und die Reihenfolge entscheidet: Wann ihr was drückt, bestimmt, wie viel Schaden ihr macht und wie sauber ihr aus gegnerischen Angriffen herauskommt. Das lässt sich mit der Zeit gut lernen, und genau das hat mich gepackt.
Trotz der vielen Möglichkeiten fühlt sich das nicht überladen an. Die Tasten auf dem Controller sitzen gut, den Wechsel der Ritter hatte ich schnell verinnerlicht. Ihr müsst nicht drei Knöpfe gleichzeitig drücken, um an das vierte Skillset zu kommen.
- Mein Tipp aus der Demo: Achtet auf die Farbe, in der ein Angriff aufblitzt. Gelb aufblitzenden Angriffen weicht ihr aus, rot aufblitzende lassen sich kontern.

Wie schnell der Einstieg klappt, habe ich am Stand gemerkt. Hinter mir stand jemand aus dem Team, der das Spiel offensichtlich gut kannte, und irgendwann kam die Frage, ob ich Tides of Annihilation schon vorher gespielt hätte. Hatte ich nicht. Mein Eindruck: Mit etwas Gefühl für Actionspiele findet ihr schnell hinein, und dann macht es Spaß, aus jedem Wechsel zwischen den Rittern noch ein bisschen mehr herauszuholen.
Das Ausrüstungssystem mit Werten und Verbesserungen sah ebenfalls spannend aus. In der Demo gab es allerdings wenig auszurüsten, da bin ich auf das fertige Spiel gespannt.
Mordred: Ein Bosskampf mit Flügeln und Drache
Mordred kannte ich in Teilen schon aus dem Trailermaterial, selbst gespielt ist der Kampf trotzdem etwas anderes. Er beginnt in der Bibliothek des Museums. Mordred tritt zuerst als Ritterin an. Habt ihr sie das erste Mal besiegt, wechselt sie in eine stärkere Form mit Flügeln und greift deutlich mehr aus der Luft an. Ab da seid ihr hauptsächlich mit Ausweichen beschäftigt.
Später verlagert sich der Kampf in eine schwebende Arena, und Mordred reitet auf einem Drachen. Ihr rennt an einer Kante nach oben, während um euch herum alles zersplittert, und greift sie von oben an.
Solche filmischen Momente gibt es mitten im Kampf. Ein klassisches Quicktime-Event ist das nicht, es geht aber in die Richtung, mal mit einem Hauch Jump’n’Run. Zusammen mit den Phasen lockern sie den Kampf auf, sodass er sich nie wie ein endloser Schlagabtausch anfühlt. Von der ersten Zwischensequenz bis zum letzten Treffer lagen bei mir gut zwölf Minuten, und Mordred habe ich ziemlich sauber besiegt. Ich hoffe, dieses Niveau zieht sich durch alle Bosse und nicht nur durch die, die bisher zu sehen waren.
Geraint: Der schwerste Kampf meiner Session
Danach ging es auf einen Friedhof mit dem passenden Namen The Gloomy Graveyard und gegen Geraint. Vorher habe ich meine Aufstellung umgebaut und Gaheris dazugeholt. Der ist sehr beweglich und kämpft mit Windkraft: Er steigert Tempo und Ausweichen und sammelt dabei Windward-Stapel. Sind die voll, folgt ein verheerender Schlag.

Geraint sieht zu Beginn aus wie ein sehr breiter Samurai und ist spürbar schwerer als Mordred. Gegen Ende verwandelt er sich in eine riesige rote Gestalt, die mich stark an einen Oni aus der japanischen Mythologie erinnert hat.
Besiegt habe ich ihn nicht. Gestorben bin ich allerdings auch nicht: Die Demo lief mit einem Countdown, und der stand auf null, bevor Geraints Lebensbalken es tat.
Grafik und Technik: So lief die Demo
Optisch ist Tides of Annihilation für mich bombastisch. Der Stil gefällt mir sehr: Ritter in modernem Gewand, dazu ein London am Ende der normalen Welt. Diese Mischung ist ungewöhnlich und stark. Gegner, Ritter und das gesamte Design sehen klasse aus.

Technisch lief die Demo bei mir flüssig, Ruckler oder kurze Hänger sind mir so gut wie keine aufgefallen. Welche Hardware genau in den Stationen steckte, weiß ich nicht, beschildert waren sie mit GeForce RTX 50. Meine Vermutung: Auf älterer Hardware wird Tides of Annihilation nicht mit so hohen Bildraten laufen, dafür sieht es einfach zu gut aus.
Tides of Annihilation: Alles, was bisher bekannt ist
| Spiel | Tides of Annihilation |
| Entwickler und Publisher | Eclipse Glow Games, Chengdu (China) |
| Genre | Fantasy-Action-Adventure nach der Artussage |
| Plattformen | PlayStation 5, Xbox Series X|S, PC (Steam und Epic Games Store) |
| Release | noch kein Termin |
| Hauptfigur | Gwendolyn |
| Ritter | über zehn beschwörbare Ritter im fertigen Spiel |
| Gespielt | Gamescom 2026, rund eine Stunde, Xbox-Controller |
Im Team von Eclipse Glow Games arbeiten über 150 Leute, darunter Entwicklerinnen und Entwickler mit Erfahrung aus Reihen wie Yakuza, For Honor, Assassin’s Creed, Persona und Prince of Persia.
Das London des Spiels baut echte Wahrzeichen nach. Das Great Russell Museum ist das British Museum, benannt nach der Great Russell Street, an der es liegt, samt Ausstellung zum Stein von Rosetta und dem Reading Room. Weil die Invasion die Realität zerbricht, werden einzelne Flügel des Museums zu eigenen, surrealen Welten, etwa mit Anubis im ägyptischen und Guan Yu im chinesischen Teil. Den ägyptischen Flügel habe ich nur beim Zuschauen am Platz neben mir gesehen, nicht selbst gespielt.

Eine offene Welt ist Tides of Annihilation dabei nicht. Das Studio beschreibt die Progression selbst als strukturiert und linear. Dazu kommen die Giant Knights, riesige Ritter, die durch London ziehen. Sie sind nicht nur Gegner, sondern begehbare, vertikale Levelabschnitte, die ihr erkundet, bevor ihr sie bekämpft. Außerdem begleitet Niniane Gwendolyn. Sie verwandelt sich in einen Vogel, löst Umgebungsrätsel und legt versteckte Wege frei.
Rund um die Gamescom gab es zwei Neuigkeiten zur Hauptfigur. Gwendolyn hat eine neue Stimme: Angela Sant’Albano hat die Rolle von Jennifer English übernommen und die komplette Kampagne eingesprochen. Und zu den Diskussionen um Gwendolyns Gesicht stellt das Studio klar, dass das Charaktermodell seit der ersten Enthüllung unverändert ist. Überarbeitet wurden Hautdarstellung, Materialien, Beleuchtung und die Technik für Gesichtsausdrücke.
Fazit: Mein Highlight der Gamescom 2026
Für mich war Tides of Annihilation der Höhepunkt der Messe, und zwar als Gesamtpaket: die Optik, wie es sich spielt, die Ritter und ihre Synergien, die Upgrades, die Bosse. Vom Tempo her erinnert mich der Kampf an Devil May Cry von früher, ein bisschen auch an Godfall. Die Bosse und ihre Inszenierung gehen dagegen Richtung Souls: gewaltig und mächtig. Unterm Strich ist es für mich eine Mischung aus Souls-like und Actionspielen wie Nier oder Devil May Cry.
Spannend wird Tides of Annihilation für alle, die actionreiche Kampfsysteme mögen und Devil May Cry gespielt haben, die mit der Tafelrunde etwas anfangen können, große, schwere Bosskämpfe suchen und gern klassisch an Ausrüstung und Upgrades schrauben.
Ich bin jedenfalls richtig gehypt und freue mich auf den Release, auch wenn es dafür noch keinen Termin gibt. Mal sehen, was bis dahin noch von Gwendolyn und ihren Rittern kommt.








