Psycho-Horror an der Küste

Silent Hill Townfall im Test: Geduldsspiel in der Nebelhölle

Silent Hill: Townfall – Simon im roten Licht neben einem großen Fragezeichen und der Frage „Wie gut ist das neue Silent Hill?“.
Silent Hill: Townfall – Cover-Art mit Protagonist im roten Mantel, der in einer nebligen, düsteren Straße auf sein Smartphone blickt.
Genre: Psychological Horror, Survival Horror
Release: 24.09.2026

Silent Hill Townfall bietet einen atmosphärisch dichten Horrorschauplatz, stolpert im Test aber über endlose Stealth-Passagen und ein dürftiges Kampfsystem.

Anzeige

Silent Hill Townfall versetzt euch in den fiktiven Küstenort St. Amelia, der mit seinem schottischen 90er-Jahre-Flair sofort seinen ganz eigenen Charme entfaltet. Dichter Nebel und ein tristes Grau wechseln sich mit gefährlichen Rottönen und beklemmender Leere ab. Im Zusammenspiel mit der neuen Ego-Perspektive entfaltet Townfall eine für die Reihe typische Stimmung aus Trostlosigkeit, Einsamkeit und blankem Terror. Letzterer kommt in Screen Burns Silent-Hill-Interpretation allerdings deutlich zu kurz. Dafür sorgt vor allem das im Guten wie im Schlechten an Alien: Isolation erinnernde Spielprinzip.

Schleichen wird schnell langweilig

Gekämpft wird in Townfall sehr rudimentär. Das Nahkampfsystem bietet lediglich Angriff und Block ohne Ausweichoption, die Prügel zerbrechen schnell und Munition für die wenigen Schusswaffen ist selbstverständlich Mangelware. Aber Konfrontationen funktionieren ohnehin bestenfalls als Notlösung. Simon ist kein Kämpfer wie James in Silent Hill 2 und kommt schon gar nicht an die toughe Hinako von Silent Hill f heran.

Silent Hill: Townfall – Simon hält das tragbare CRTV-Gerät vor einer nebligen Straße mit verlassenen Gebäuden.
Zu Beginn setzt Townfall den CRTV kreativ bei Rätseln ein. Im späteren Verlauf nimmt das leider etwas ab. © S4G / Konami

Gegner sind in Townfall meistens übermächtig und Begegnungen enden schnell tödlich. Die Waffen dienen eher dazu, Angriffe abzuwehren oder sich aus Notsituationen zu befreien. Das sorgt leider auch dafür, dass sich die Schleich- und Versteckpassagen allzu schnell abnutzen, da es an Abwechslung fehlt. Etwa ab der Hälfte des Spiels, begann das ständige Ducken, Schleichen, um die Ecke spähen und den Radar deuten langsam an Spannung zu verlieren, bis es gegen Ende hin nur noch nervte. Vor allem, weil sich diese Abschnitte auch immer mehr in die Länge zogen.

Anzeige
Anzeige
Silent Hill: Townfall – groteskes Monster mit bandagiertem Körper und deformiertem, kantigem Kopf in nebliger Umgebung.
Der serientypische Bodyhorror kommt auch in Townfall nicht zu kurz. Es hätte aber gern etwas mehr Gegnervarianz geben dürfen. © S4G / Konami

Die wenigen Gegnertypen patrouillieren teilweise extrem langsam und ihr verhalten ist nicht immer stimmig. Es gibt beispielsweise einen langen Abschnitt, in dem ihr über einen Korridor schleichen und euch immer wieder in Zimmern verstecken müsst. Klettert ihr dazu in einen Schrank, triggert das die Kreaturen fast immer. Selbst, wenn sie eigentlich außer Reichweite sind, stürmen die Monster in den Raum und schauen sich verwundert um, sobald die Schranktür zugeht. Dieses Gegnerverhalten bringt die Glaubwürdigkeit ins Wanken und verwandelt Spannung schnell in Frust. In diesem Abschnitt bekommt ihr es auch mit einem unbesiegbaren Verfolger zu tun, der euch bei Sichtkontakt sofort tötet, aber kaum nachvollziehbares Verhalten an den Tag legt.

Kreative Rätsel und kryptische Story motivieren

Glücklicherweise gibt es in Townfall auch kreative Einfälle und Spielelemente, für die es sich lohnt, dranzubleiben. Das CRTV etwa. Der tragbare Mini-Fernseher dient als Gegnerdetektor, Rätselwerkzeug und Story-Vermittler gleichzeitig und ist damit einer der cleversten Einfälle des Spiels. Schleichabschnitte und Rätsel fühlen sich damit zu Beginn frisch an. Doch mit zunehmender Spieldauer verkommt der CRTV immer mehr zum Scanner und Minispielwerkzeug.

Silent Hill: Townfall – Simon betrachtet einen blutverschmierten Gegenstand, während im Hintergrund eine Person im Türrahmen steht.
Wer ist die mysteriöse Frau, die Simon nach seiner Ankunft immer wieder erscheint. © S4G / Konami

Ich hätte mir mehr der kryptischen Rätsel und Storyelemente gewünscht, die das analoge Gerät in den Anfangsstunden immer wieder überträgt. In diesen Momenten stellt sich auch das Rätseldesign zurecht ins Rampenlicht. Wenn mysteriösen Personen über den CRTV, in Telefonzellen oder über Anrufbeantworter Kontakt mit Simon aufnehmen, baut Townfall gekonnt Spannung auf. Die herrlich mit 90er-Jahre-Technologoie ausgestattete Spielumgebung ist voller Hinweise auf das frühere Leben der Einwohner und wer aufmerksam ist, viel liest und genau hinhört, kann mehr über die Ereignisse in St. Amelia herausfinden, als das Spiel selbst erzählt.

Anzeige
Anzeige

Ebenfalls interessant:

Erzählerisch und visuell weiß Townfall Silent-Hill-Fans zu überzeugen. Die Figuren wirken zu Beginn zwar stellenweise blass, ihre vage angedeuteten Motive und das ein oder andere verstörende Erlebnis, halten den Spannungsbogen aber bis zum Ende hoch. Auch, wenn ich nicht ganz so mit den Protagonisten mitgefiebert, wie in den vorherigen Teilen, und manch Wendung etwas vorhersehbar war, zeigt Townfall in Sachen Storytelling, dass es ein waschechtes Silent Hill ist. Das serientypische Monsterdesign mit seinem ekelhaften Bodyhorror überzeugt zwar visuell, es hätte aber gern noch ein bisschen mehr Varianz drin sein dürfen. Im Vergleich zum Silent Hill 2 Remake fehlte es mir an echten Terrormomenten und der permanenten Anspannung, die so wichtig für die Atmosphäre in diesem Genre ist.

Wertung

  • 2 von 3 Punkten – eingeschränkte Empfehlung

Fazit: Atmosphärisch stark und mit cleveren Rätseln ausgestattet, bremsen Townfall frustrierende und unnötig langatmige Schleichpassagen spielerisch aus.

Anzeige
Anzeige

Pro

  • Außergewöhnlich dichte Atmosphäre dank St. Amelia und grandiosem Sounddesign
  • CRTV als vielseitiges Werkzeug clever in Rätsel und Erkundung eingebunden
  • Kreative Knobelaufgaben mit durchgehendem Thema
  • Stimmige Ego-Perspektive verstärkt Verletzlichkeit und Immersion
  • Überzeugendes Monsterdesign im serientypischen Bodyhorror-Stil
  • Mehrere Enden und New Game Plus erhöhen den Wiederspielwert

Contra

  • Willkürliche Gegnererkennung zerstört Glaubwürdigkeit der Schleichpassagen
  • Langsame Patrouillen erzwingen langes, zähes Abwarten in Verstecken
  • Kampfsystem ohne taktische Tiefe und Ausweichmöglichkeit
  • Nur eine Handvoll Gegnertypen mit starren Bewegungsmustern
  • Zweite Spielhälfte fällt gegenüber dem starken Einstieg ab
  • Vereinzelte technische Probleme wie Framerate-Einbrüche und Mikroruckler

Geeignet für

  • Fans von Atmosphäre, Rätseln und psychologischem Horror
  • Freunde von Ego-Horrorspielen wie Resident Evil 7 oder Amnesia
  • alle, die starkes Environmental Storytelling und kryptische Knobelei schätzen

Weniger geeignet für

  • alle, die erzwungenes Schleichen und unbesiegbare Verfolger nicht ausstehen können
  • Fans von actionlastigem Horror à la Resident Evil oder Silent Hill f
  • alle mit geringer Geduld für langsames Tempo und Trial-and-Error

Fakten und Trailer

Spiel:Silent Hill: Townfall
Publisher:Konami / Anapurna Interactive
Developer:Screen Burn
Genre:Survival-Horror
Getestet für:PC via Steam
Erhältlich für:PS5, PC (via Steam, Epic Games)
USK:Ab 16 Jahren
Release:24. September 2026
Preis:ab 50 Euro – hier findet ihr alle Infos zu den unterschiedlichen Editionen von Silent Hill Townfall

Dir gefällt SPACE4GAMES?

Dann unterstütze unser unabhängiges Gaming- und VR-Magazin: einmalig per PayPal, regelmäßig über Steady (schon ab 3 € im Monat) oder kostenlos über unseren Amazon-Affiliate-Link. Jede Unterstützung hilft dabei, SPACE4GAMES weiterzuführen.
Bild von Josef Erl

Josef Erl

Josef ist freier Online-Journalist und leitet die S4G-Redaktion. Er spielt alles, was ihn mit einer spannenden Story und innovativen Spielmechaniken fesselt. Als ehemaliger Redaktionsleiter von MIXED.de kennt er sich auch bestens in den Bereichen Virtual Reality, Augmented Reality & Mixed Reality aus.
Silent Hill: Townfall – Cover-Art mit Protagonist im roten Mantel, der in einer nebligen, düsteren Straße auf sein Smartphone blickt.
Genre: Psychological Horror, Survival Horror
Release: 24.09.2026