Zwischen Roadtrip und Leerlauf

Outbound im Test: Ein fast schon zu gemütlicher Roadtrip

Ein oranger Camperbus vor einem Feld.

Im Test zeigt Outbound genau den entschleunigten Roadtrip, den Cozy-Game-Fans lieben dürften. Trotzdem hat mich die Open World nie komplett mitgerissen.

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Outbound sollte mich eigentlich genau da abholen, wo Cozy Games bei mir normalerweise perfekt funktionieren. Entspanntes Erkunden, langsames Fortschreiten und einfach mal runterkommen. Dazu kommt, dass ich selbst jahrelang auf Weltreise war und meinen eigenen Bus ausgebaut habe. Genau deshalb habe ich mich in Outbound an vielen Stellen sofort wiedererkannt. Trotzdem hat mich das Spiel am Ende nie komplett gepackt.

Outbound nimmt sich bewusst Zeit und manchmal etwas zu viel davon

Der Camper in Outbound ist ziemlich langsam unterwegs. Das bleibt auch über weite Teile des Spiels so. Anfangs passt das noch gut zur Stimmung, weil ihr die Welt in Ruhe erkundet und euch erstmal orientiert. Nach einigen Stunden hatte ich aber öfter das Gefühl, dass Outbound zu stark auf die Bremse tritt.

Ein pinker Camper, der durch die Wälder fährt.
Eure Hauptaufgabe ist, durch die Gegen fahren und bestimmte Zielpunkte erreichen. Währenddessen achtet ihr auf eure Grundbedürfnisse. © Square Glade Games

Vor allem längere Fahrten ziehen sich teilweise unnötig. Eine Möglichkeit, wirklich schneller zu fahren oder mal kurz zu beschleunigen, gibt es praktisch nicht. Dadurch entstehen immer wieder Momente, in denen ihr einfach nur wartet, bis ihr endlich am nächsten Ziel angekommen seid. Gerade wenn ihr mehrfach quer durch die Karte fahren müsst, merkt man das irgendwann deutlich und man sehnt sich nach etwas Abwechslung. Natürlich soll das Spiel kein Racer-Game werden, aber kleine Schnellreisestationen wie bei Heartopia oder anderen Cozy Games, hätten wir eventuell den Umschwung gegeben.

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Ressourcen sammeln funktioniert simpel, wird aber irgendwann repetitiv

Das Sammeln von Ressourcen ist in Outbound erstmal angenehm einfach gehalten. Holz, Metall oder andere Materialien liegen oft direkt am Wegesrand herum. Sobald ihr einmal gelernt habt, wie bestimmte Ressourcen aussehen, entdeckt ihr sie plötzlich überall in der Spielwelt. Dadurch entsteht relativ schnell ein entspannter Sammel-Flow, bei dem ihr automatisch ständig die Umgebung absucht.

Mit der Zeit wurde mir dieses ständige Ein- und Aussteigen allerdings etwas zu viel. Ihr haltet immer wieder an, steigt aus dem Camper aus, sammelt kurz Materialien ein und fahrt weiter. Danach wiederholt sich der Ablauf oft direkt erneut. Gerade auf längeren Touren kann das irgendwann leicht nervig werden, weil der Spielfluss immer wieder unterbrochen wird. Der Survival-Modus geht zudem etwas verloren, da Essen kein besonders seltenes Gut ist. Heidelbeersträuche findet ihr alle paar Meter, sodass ihr hier kaum Rücksicht auf eure grüne Leiste legen müsst.

Ein Menüfeld, wo aus Holz Energie gewonnen werden kann.
Ihr könnt selbst Energie für euren Camper herstellen. Dieses Feature hat mich doch ziemlich begeistert. © Square Glade Games

Dazu kommt, dass einige Missionen bestimmte Gegenstände verlangen. Dadurch müsst ihr teilweise kreuz und quer durch die Welt fahren, um einzelne Ressourcen oder Bauteile zu besorgen. Das wäre weniger problematisch, wenn die Fahrten etwas dynamischer wären. So fühlt sich manche Aufgabe eher nach Hin- und Herfahren an.

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Nutzt euren Camper unbedingt als Lagerraum

Was Outbound euch dagegen überlässt, ist die eigene Organisation. Eure Spielfigur kann nämlich nur begrenzt viele Gegenstände tragen. Der Camper dient deshalb schnell als wichtigster Stauraum und genau hier solltet ihr möglichst früh anfangen mitzudenken. Tragt ihr zu viel, wird euer Charakter langsam und ihr lauft im Schneckentempo zurück zum Auto. Auch wenn ich privat eher zur Kategorie „einmal laufen und hoffen, dass nichts runterfällt“ gehöre, solltet ihr in Outbound lieber zweimal gehen statt euch komplett zu überladen.

Meine dringende Empfehlung ist, immer möglichst viele Materialien mitzunehmen und sparsam damit umzugehen. Outbound recycelt viele Ressourcen später erneut für neue Baupläne oder Erweiterungen. Wenn ihr vorher schon alles verbraucht habt, dürft ihr oft nochmal losziehen und dieselben Materialien erneut farmen. Gerade Metall oder bestimmte technische Teile solltet ihr deshalb nie komplett aufbrauchen.

Der Camper-Ausbau motiviert am meisten

Am meisten Spaß macht Outbound immer dann, wenn ihr direkt an eurem Fahrzeug arbeitet. Neue Möbel platzieren, Stromversorgung erweitern oder zusätzliche Funktionen freischalten fühlt sich motivierend an, weil ihr sofort seht, wie euer kleiner Van langsam wächst. Dabei werkelt ihr nicht nur im Innenraum herum, sondern könnt auch das Dach für zusätzliche Kapazitäten nutzen.

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Der Ausbau sorgt auch dafür, dass ihr länger weiterspielen wollt. Oft fährt man noch schnell zur nächsten Region, weil man dort eine neue Ressource entdeckt hat oder ein weiteres Upgrade bauen möchte. Genau in diesen Momenten funktioniert die Gameplay-Schleife von Outbound richtig gut. Mit ein bisschen Musik auf den Ohren und einem leckeren Getränk am Schreibtisch, bin ich dann doch hin und wieder ein Stündchen mehr als geplant abgetaucht.

Eine Werkbank in einem Kofferraum von Outbound.
Der Kofferraum wird zu eurem Arbeitsplatz. Hier könnt ihr neue Gegenstände herstellen. © Square Glade Games

Was mir in Outbound ebenfalls richtig gut gefallen hat, war der Camper selbst. Nach einigen Stunden fühlt sich der Van fast wie eine kleine mobile Basis an, in der ständig irgendetwas zu tun ist. Öffnet ihr den Kofferraum, könnt ihr direkt Benzin herstellen oder neue Baupläne umsetzen. Seitlich sitzt das Lager für eure Ressourcen und im Innenraum verarbeitet ihr sogar gesammelten Müll weiter zu brauchbaren Materialien. Gerade dieses Gefühl, wirklich alles dabeizuhaben und unterwegs komplett autark zu sein, macht den Camper in Outbound zu einem echten kleinen Platzwunder.

Fazit & Wertung: Outbound bleibt gemütlich, aber packt mich einfach nicht

Ich hatte während des Spiels immer wieder das Gefühl, dass Outbound nie komplett zündet. Die Atmosphäre ist stark, das Cozy-Gefühl funktioniert und der Camper-Ausbau motiviert lange genug, um dranzubleiben. Gleichzeitig fehlt dem Spiel auf Dauer etwas mehr Spannung oder Abwechslung, damit daraus wirklich ein fesselnder Roadtrip wird.

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Gerade solo verliert Outbound irgendwann an Tempo. Im Koop kann ich mir dagegen gut vorstellen, dass das Spiel deutlich besser funktioniert, weil das entspannte Reisen und gemeinsame Bauen vermutlich genau die Art von Erfahrung ist, auf die Outbound eigentlich abzielt.

Wenn ihr Cozy Games liebt und einfach ein ruhiges Spiel zum Abschalten sucht, solltet ihr euch Outbound definitiv anschauen. Erwartet aber keine besonders dynamische Open World. Outbound fährt bewusst langsam und manchmal vielleicht sogar etwas zu langsam.

Positiv

  • Entspannt, ohne Zeitdruck
  • Ihr reist autark
  • Süßer Camper mit allem, was ihr benötigt
  • Ressourcen-System leicht verständlich

Negativ

  • Lange Fahrtwege
  • Missionen schicken euch hin und her
  • Camper fährt zu langsam
  • Solo fehlt langfristig Motivation

Die Atmosphäre gehört definitiv zu den größten Stärken von Outbound. Mit dem Camper durch ruhige Landschaften zu fahren, unterwegs Materialien einzusammeln und den eigenen Van Stück für Stück auszubauen, fühlt sich oft fast wie ein kleiner Roadtrip an. Gleichzeitig tritt Outbound manchmal aber so stark auf die Bremse, dass sich einige Spielabschnitte unnötig langsam anfühlen.

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Bild von Ilona Frank

Ilona Frank

Fühlt sich in der Welt von Horror, Adventure und Jump n' Run am wohlsten. Würde sich wünschen, dass es auch im echten Leben Trophäen für Alltagssituationen gibt.